Es ist noch früher Morgen, als ich am Ufer des St. John’s River stehe und die Szenerie langsam in mich aufnehme – die Frische und Feuchtigkeit der Luft, geradeaus der träge dahinfließende Fluss, rechts von mir ein stiller Seitenarm, die Ufer gesäumt von dichtem urwaldähnlichem Dschungel, die hohen Palmen überzogen mit grauen, spinnwebähnlichen Fetzen von Spanish Moss. Noch sind keine Besucher hier. Zeit, um dieses wunderschöne Fleckchen Natur in Ruhe zu beobachten, die Stille zu genießen.

Morgenstimmung am St. John’s River

Genau gegenüber erkenne ich etwas versteckt in den Zweigen der Bäume eine Gruppe schwarzer Geier (American black vulture), die anscheinend gerade ihre Morgentoilette beendet haben und die ersten Strahlen der Sonne genießen.

American Black Vultures

Lautlos gleiten jetzt auch die ersten Besucher in ihren Kajaks vorbei, die man vorne beim Bootsdock mieten kann. Bestimmt auch eine schöne Art, diese Flusslandschaft zu erkunden, auch wenn ich heute etwas anderes vorhabe. Aber vielleicht komme ich ja ein andermal wieder.

Um 10 Uhr ist es dann endlich soweit, unsere Bootstour auf dem St. John’s River, dem mit 500 Kilometer längsten Fluss Floridas, kann beginnen. Langsam gleitet das flache und mit einem breiten Sonnendach versehene Boot, in dem etwa 20-30 Personen bequem Platz finden, über den breiten Strom. Hier sind neben uns noch einige Motor- und Fischerboote unterwegs, aber schon bald zweigen wir vom Hauptstrom ab in einen der schmaleren Seitenarme, in dem nichts außer dem gelegentlichen leisen Tuckern unseres Motors die Stille mehr stört.

Während wir mit unseren Kameras in der Hand das dicht bewachsene Ufer nach Vögeln und Wildtieren absuchen, gelingt es unserem freundlichen Käpt’n meisterhaft, das Boot möglichst geräuschlos am Ufer entlang zu manövrieren. Gespannte Stille. Und immer wieder die Freude, wenn einer aus der Gruppe wieder etwas entdeckt hat. Was für ein unglaubliches Vogelparadies dieser Fluss doch ist!

White Ibis

Zwischendurch versuchen wir auch immer wieder, eine der Manatees zu Gesicht zu bekommen, die hier in den seichten Gewässern überwintern, aber bis auf eine, die von unten genüsslich an den Seelilien knabbert, bekommen wir keine zu Gesicht. Dazu ist es jetzt Anfang November auch wohl noch zu früh im Jahr. Dafür sehen wir im weiteren Verlauf unserer Bootstour noch viele andere Vögel, darunter mehrere Eulen, verschiedene Reiherarten, Kormorane, Anhingas und nicht zuletzt ganze Bäume voller Ibisse und schwarzer Geier.

Mein Fazit

Die 2-stündige River Cruise auf dem St. John’s River ist eine Bootstour, die sich wirklich lohnt und bei der man Gelegenheit hat, die weitverzweigte Flusslandschaft dieses mächtigen Stroms mit seiner unglaublich vielfältigen Vogelwelt ganz aus der Nähe kennenzulernen. Abfahrt ist zweimal am Tag am Bootsdock des Blue Spring State Park (10 Uhr und 13 Uhr), wobei sich die frühere Tour besser zur Vogelbeobachtung eignet. Kajakmieten sind ebenfalls möglich. Weitere Infos und Reservierung unter St. Johns River Cruises & Tours. Für gelungene Tierfotos unbedingt ein gutes Teleobjektiv mitnehmen!

Camping

Der Blue Spring State Park besitzt einen schönen Campingplatz, auf dem man vor oder nach der Tour übernachten kann. Die 51 Campsites sind von Hammockbüschen umgeben und besitzen alle einen Picknicktisch, eine Feuerstelle, Wasser- und Elektrizitätsanschluss. Reservierungen sind möglich über ReserveAmerica.

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