Zu den Naturwundern, die mich im Südwesten der USA am meisten faszinieren, gehören die vielen fantasievoll geformten Slot Canyons des Colorado Plateau. Diese einzigartig gewundenen, oft nur einen schmalen Spalt breiten und bis zu hundert Meter hohen Slot Canyons entstanden durch gewaltige Sturzfluten, sogenannte Flash Floods. Vor allem in den Sommermonaten prasselt bei heftigen Sommergewittern der Regen auf die ausgetrocknete Erde, die die Wassermassen nicht schnell genug aufnehmen kann. So schwellen die ausgetrockneten Washes im Nu zu reißenden Strömen an, die alles mit sich reißen. Über Erdspalten stürzt das Wasser dann in die Tiefe, wo es den roten Sandstein zu bizarren Formen aushöhlt.

Einige dieser Slot Canyons sind weltbekannt und mit dem Auto gut erreichbar, andere liegen etwas versteckt abseits der Hauptreiserouten im Grenzgebiet von Utah und Arizona und sind nur bei gutem Wetter mit einem Allradfahrzeug erreichbar. Die schönsten dieser Slot Canyons möchte ich euch hier vorstellen. Jeder von ihnen ist ein Naturwunder für sich.

Slot Canyon No. 1

Buckskin Gulch im Paria Canyon

Die Buckskin Gulch ist Teil des Paria Canyon. Dieser gewaltige Canyon, der als der längste und tiefste Slot Canyon der Vereinigten Staaten gilt, besitzt eine Gesamtlänge von fast 40 Meilen. Wer den gesamten Canyon durchwandern möchte, kann dies nur als mehrtägige Trekkingtour tun, für die man ein spezielles Backcountry Permit benötigt. Einstiegspunkt ist entweder am White House Trailhead oder am Wire Pass Trailhead. Von da sind es 3-4 Tage bis zum Ausstiegspunkt bei Lee’s Ferry, von wo man sich mit einem zuvor organisierten Shuttle zurück bringen lassen kann.

Ebenso spektakulär wir diese mehrtägige Trekkingtour ist auch eine Tageswanderung durch die Buckskin Gulch, den tiefsten und schmalsten Abschnitt des Paria Canyon. Hier rücken die Canyonwände stellenweise bis auf mehrere Meter zusammen, während sie gleichzeitig über hundert Meter in die Höhe reichen. Ein unglaublich eindrucksvolles Erlebnis!

Ausgangspunkt für diese Tour ist der Wire Pass Trailhead an der ungeteerten House Rock Valley Road, 8,5 Meilen südlich des Hwy 89. Von da geht es als Einstimmung zunächst durch den etwas niedrigeren Wire Pass Slot Canyon, bevor man nach rechts abbiegt in die Schluchten der Buckskin Gulch. Länge der Tour: 3-14 Meilern one way, je nachdem wie weit man wandern möchte. Achtung: bei Nässe oder nach Regenfällen kann die Zufahrtsstraße zum Wire Pass Trailhead unpassierbar sein.

Ausfürliche Infos zu Paria Canyon und Buckskin Gulch

Slot Canyon No. 2

Antelope Canyon

Antelope Slot Canyon Lower Antelope Slot Canyon

Weltweit berühmt und bekannt ist der Antelope Canyon eines der Wahrzeichen des Südwestens. Der Canyon selbst besteht aus einem oberen Canyonabschnitt, dem Upper Antelope Canyon und einem unteren Abschnitt, dem Lower Antelope Canyon. Sehenswert sind beide, wobei man sich mit etwas weniger Zeit auf den Lower Antelope Canyon beschränken kann, da dieser die spektakuläreren Fotomotive bietet. Der Upper Antelope Canyon ist dagegen bekannt für seine ‚beams‘, Lichtstrahlen, die das Innere des Canyons in ein geheimnsvolles Licht tauchen.

Leider ist der Antelope Canyon mittlerweile sehr überlaufen, wohl auch deswegen, weil er direkt an einem vielbefahrenen Highway liegt und auch mit Tourbussen direkt angefahren werden kann. Aussteigen und schon ist man da. Um dieser Touristenmassen Herr zu werden, muss man für beide Canyons an geführten Touren teilnehmen. Auch wenn das etwas stört. Ein Besuch der Antelope Canyons lohnt sich und wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte diesen Canyon unbedingt in seinen Reiseplan mit aufnehmen. Beste Besuchszeit ist hier wie bei den meisten Slot Canyons der späte Vormittag, bevor die Mittagssonne direkt in den Canyon scheint.

Ausfürliche Infos zum Antelope Canyon

Slot Canyon No. 3

Little Wild Horse Canyon

Little Wild Horse Slot Canyon Little Wild Horse Slot Canyon

Der Little Wild Horse Canyon liegt nördlich des Goblin Valley im zentralen Utah und ist aufgrund der geeterten Zufahrtsstraße auch mit PKW oder Wohnmobil gut erreichbar. Mit seinen sanft ansteigenden, wellenförmigen und fein zieselierten Sandsteinwänden gehört er für mich zu den schönsten Slot Canyons des Südwestens. Je weiter man im Canyon vordringt, desto schmaler rücken die Canyonwände zusammen, bis es am Schluss nur noch ein hoher, schmaler Spalt ist. Ein Traum für jeden Fotografen und eine der schönsten Kurzwanderungen des Südwestens! Im Anschluss danach noch ein abendlicher Rundgang durch das Tal der Goblins und eine Übernachtung auf dem dortigen Campingplatz zwischen den Felsen und der Tag ist perfekt!

Ausfürliche Infos zum Little Wild Horse Canyon

Slot Canyon No. 4

Cathedral Wash Slot Canyon

Cathedral Wash Slot Canyon Cathedral Wash Slot Canyon

In der Nähe von Lees Ferry, etwas nördlich des Marble Canyon am Hwy 89A, beginnt rechts neben der Straße der Cathedral Wash, ein landschaftlich besonders eindrucksvoller Slot Canyon, der nach 1,25 Meilen direkt am Ufer des Colorado endet. Geht es zunächst in sanften Windungen nur leicht bergab, folgen bald größere Felsabstürze und Dryfalls, die man mit etwas Klettergeschick entweder rechts oder links umgehen kann. Ein bisschen Suchen nach der richtigen Route gehört ebenfalls dazu. Schließlich werden auch hier die Canyonwände immer höher und steiler, bevor der Canyon schließlich breiter wird und man direkt am Ufer des mächtigen Colorado River steht. Ein dramatisches und absolut spannendes Wander- und Klettererlebnis, das man so schnell nicht vergisst!

Ausfürliche Infos zum Cathedral Wash

Slot Canyon No. 5

Peek-A-Boo und Spooky Gulch Slot Canyons

Spooky Gulch Slot Canyon Spooky Gulch Slot Canyon

Peek-A-Boo und Spooky sind zwei fantastisch schöne Canyons, die nicht weit entfernt voneinander liegen und daher gemeinsam erkundet werden können. Für die Zufahrt benötigt man allerdings ein Fahrzeug mit guter Bodenfreiheit und etwas Zeit, denn der Trailhead für die beiden Slot Canyons liegt an der ungeteerten Hole-in-the-Rock-Road, etwa 30 Meilen südöstlich des kleinen Örtchens Esccalante in Utah. Besonders schwierig zu fahren sind dabei die letzten 1,7 Meilen, eine Art Feldpiste mit tief eingegrabenen Spurrillen, die von der Hole-in-the-Rock-Road nach links abzweigt. Vom Trailhead sind es dann nochmals 1,4 Meilen Querfeldein-Wanderung bis zum Eingang des Peek-A-Boo Slot Canyon, weitere 0,6 Meilen bis zum Eingang der Spooky Gulch.

Der Aufstieg zum Peek-A-Boo erfordert etwas Klettergeschick, denn man muss ein paar Meter über eine Felswand mit eingekerbten Stufen nach oben. Oben geht es dann durch wunderschön ausgehöhlte Felskammern, überragt von Steinbögen durch den Slot Canyon mit seinen vielen Windungen und Felsabsätzen, ein Abenteuer und Klettererlebnis der Extraklasse!

Gänzlich anders wirkt dagegen die benachbarte Spooky Gulch, in die man fast eben hineingehen kann. Allerdings kommt man hier sehr rasch an einen Punkt, an dem man seinen Rucksack abnehmen muss, denn die Felsspalten verengen sich so sehr, dass man nur noch ohne Gepäck und quer gehend weiterkommt. Ein Spaltencanyon im wahrsten Sinn des Wortes und ein Erlebnis, das man mit Sicherheit nicht vergisst!

Slot Canyon No. 6

Willis Creek Slot Canyon

Willis Creek Slot Canyon Willis Creek Slot Canyon

Im Gegensatz zu vielen anderen Slot Canyons ist der Willis Creek Slot Canyon noch ein echter Geheimtipp. Etwas abseits der Hauptreiserouten an der Skutumpah Road, einer ungeteerten Nebenstrecke des Grand Staircase Escalante National Monuments gelegen, muss man schon etwas Zeit und Abenteuerlust mitbringen, um ihn zu erkunden. Nötig ist auf jeden Fall ein Fahrzeug mit guter Bodenfreiheit. Bei Nässe ist die Zufahrtspiste unpassierbar, selbst mit Allradfahrzeugen.

Hat man sein Fahrzeug am kleinen Parkplatz abgestellt, geht man ein Stück am oberen Rand des Canyons entlang, bevor man gefahrlos absteigen kann. Unten angelangt, kommt man bereits nach kurzer Zeit in den Hauptteil des Canyons, in dem die Wände bei entsprechendem Lichteinfall leuchten, als wären sie ein hell aufzüngelndes Flammenmeer. Einen hübschen Kontrast dazu bildet der kleine Bach, der durch den Canyon fließt und besonders in den heißen Sommermonaten für angeneheme Kühle sorgt. Nachdem man zwei solcher schöner Narrowspassagen durchquert hat, kann man dem Willis Creek Canyon noch etwa eine halbe Stunde weiter flussabwärts folgen, bis er schließlich in den größeren und etwas breiteren Sheep Creek Canyon mündet.

Ausfürliche Infos zum Willis Creek Slot Canyon

Flashflood Gefahr in den Slot Canyons

An dieser Stelle noch ein wichtiger Hinweis zum Wandern in den Slot Canyons: bitte niemals in einen Slot Canyon einsteigen, wenn Regen oder Gewitter im Anzug sind. Dies gilt auch für Regenfälle, die nicht in umittelbarer Nähe des Canyons niedergehen, da die Sturzfluten oft von weit her kommen. Am häufigsten sind diese heftigen Gewitter und Regenfälle im Sommer, von etwa Ende Juni bis Mitte September. Die Flash Floods, die zu dieser Jahreszeit regelmäßig durch die Canyons rauschen, können durchaus eine Höhe bis zu 15 Metern erreichen und damit für Wanderer zur tödlichen Falle werden. Daher achtet bitte immer auf das Wetter, bevor ihr losgeht. Die meisten Gewitter bauen sich übrigens ab der Mittagszeit auf, so dass man im Sommer Slot Canyons nur morgens erkunden sollte.

Ausführliche Infos zu allen diesen Wanderungen findet ihr in meinem USA Südwest Reiseführer, inklusive Fotos, Topomaps und GPS-Daten zum Download. Ansonsten würde ich mich freuen, wenn ihr mir in den Kommentaren schreibt, welcher Erfahrungen ihr mit diesen Wanderungen gemacht habt und welcher Slot Canyon im Südwesten der USA euch am besten gefällt.

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