In kaum einem anderen Land gibt es so große Wildnisgebiete und so viele schöne Möglichkeiten, draußen in der Natur zu übernachten wie in den USA. Dabei muss man sich auch nicht unbedingt auf öffentliche oder private Campgrounds beschränken, denn Wild Campen ist in den USA möglich und erlaubt. Allerdings gilt dies nicht generell und überall. Wo genau wildes Campen erlaubt ist und was es dabei zu beachten gilt, möchte ich euch deshalb in diesem Artikel ein wenig ausführlicher erklären.

Die Amerikaner verwenden für das Campen außerhalb von Campgrounds übrigens meist die Begriffe dispersed camping oder primitive camping. Daneben gibt es noch das car camping, falls man direkt im Auto übernachtet, z.B. auf der Ladefläche eines Pickup oder in einem SUV mit umgeklappter Rückbank. Mit einem Wohnmobil außerhalb von Campgrounds auf einem Stellplatz übernachten nennt sich boondocking.

Wild Campen in National Forest Gebieten

Der National Forest Service unterhält in seinen Gebieten viele Einfachcampgrounds, die meist im Wald liegen und neben Picknicktisch und Feuerstelle auch Plumpsklos besitzen. Konnte man früher auf vielen dieser NF-Campgrounds kostenlos übernachten, so sind sie heute fast ausnahmslos kostenpflichtig, wenn auch wesentlich günstiger als die meisten anderen Campgrounds. Daneben ist in den National Forests und National Grasslands auch dispersed camping, also wildes Campen erlaubt. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, wo sich die National Forests und National Grasslands genau befinden, findet sie auf der Interactive Travel Map des National Forest Service oder auf detaillierten Straßenkarten wie den Topographic Recreational Maps.

Für die Wahl des Platzes beim Wild Campen gibt es allerdings auch in National Forests Einschränkungen. So muss die gewünschte Campsite mind. 30 Meter von natürlichen Wasserstellen wie Bächen oder Seen entfernt sein und mind. 1 Meile von offiziellen Trailheads, Campgrounds und Picnic Areas. Um Schäden an der Natur zu begrenzen, sollte der Platz auch nicht weiter als 50 Meter von der Straße / Forest Road entfernt sein. Wege sollten mit motorisierten Fahrzeugen nicht verlassen werden. Wer direkt an einer Forest Road übernachtet, darf vorbeifahrende Fahrzeuge nicht behindern. In den National Forests und Grasslands liegt die maximale Aufenthaltsdauer pro Platz bei 16 Tagen.

Car Camping im San Juan National Forest
Car Camping an einer Forest Road im San Juan National Forest

Achtung: viele der kleineren Forest Roads sind nichts weiter als ungeteerte Waldwege und dadurch mit PKW und Wohnmobilen entweder gar nicht oder nur eingeschränkt befahrbar. Besser geeignet sind hier Miet-SUVs, die eine ausreichende Bodenfreiheit besitzen.

Mit offenem Feuer sollte man in National Forest Gebieten generell sehr vorsichtig sein und aktuelle Warn- und Verbotsschilder z.B. aufgrund von großer Hitze oder Trockenheit unbedingt beachten. Auch sonst gilt, dass Feuer nie unbeaufsichtigt sein darf und beim Verlassen der Campsite vollständig gelöscht sein muss. Als Brennmaterial darf man nur herabgefallene Äste und Zweige sammeln und auf keinen Fall frisches Holz schlagen. Eine gute Alternative sind kleine Campingkocher.

In vielen Waldgebieten im Nord- und Südwesten der USA leben Schwarzbären. Daher sollte man bei Übernachtungen in National Forests immer darauf achten, alle Lebensmittel und Abfälle verschlossen aufzubewahren. Auf offiziellen Campingplätzen gibt es dafür bärensichere Container. Beim wilden Campen verstaut man Lebensmittel und Abfälle während der Nacht am besten gut verschlossen im Fahrzeug. Ist man zu Fuß unterwegs, sollte zwischen Grillstelle bzw. Lebensmittelaufbewahrungsort und Schlafplatz ein Abstand von etwa 100 Metern bestehen.

Wild Campen in BLM-Gebieten

Ebenso wie in den National Forests ist auch in allen Gebieten, die in den USA vom BLM (= Bureau of Land Management) verwaltet werden, wildes Campen erlaubt. In BLM-Gebieten gibt es daneben auch viele schöne abseits gelegene Einfachcampgrounds, die sehr günstig oder sogar kostenlos sind und als Alternative zum wilden Campen in Betracht kommen. Zu den vom BLM verwalteten Gebieten gehören zahlreiche schöne Wüsten- und Canyonlandschaften des Südwestens wie die Trona Pinnacles in Kalifornien oder die Whitney Pocket in Nevada. Allerdings gilt auch hier, dass viele Wege und Pisten innerhalb dieser Gebieten ungeteert und zum Teil in schlechtem Zustand sind. Dadurch sind manche BLM Gebiete nur mit Jeeps oder SUVs mit Allrad und guter Bodenfreiheit erreichbar.

Wildes Campen im Gebiet der Trona Pinnacles in Kalifornien
Wild Campen im Gebiet der Trona Pinnacles in Kalifornien

Einige National Monuments werden ebenfalls vom BLM verwaltet. Da hier die Regelungen bezüglich dispersed camping nicht einheitlich sind, sollte man sich bei diesen National Monuments im Voraus per Internet oder vor Ort bei dem jeweiligen Visitor Center kundig machen, was erlaubt ist und was nicht.

Für wildes Campen auf BLM-Land gelten ähnliche Einschränkungen wie bei den National Forests. Von natürlichen Wasserquellen sollte man mind. 70 Meter entfernt sein. Feuerwarnungen oder -verbote sind unbedingt zu beachten. Zum Kochen sollen entweder bereits vorhandene Feuerstellen oder Campingkocher benutzt werden. Die max. Aufenthaltsdauer pro Campsite liegt bei 14 Tagen.

Wildes Campen in der Nähe des Fantasy Canyon
Wild Campen in der Nähe des Fantasy Canyon in Utah

Wild Campen in Wilderness Areas

Wilderness Areas werden zwar auch vom BLM verwaltet, allerdings gelten hier für das wilde Campen noch besonders spezielle Bedingungen. Der wichtigste Punkt ist, dass innerhalb von Wilderness Areas keine motorisierten Fahrzeuge (meist auch keine Mountainbikes) zugelassen sind. Dies bedeutet, dass man sich hier nur zu Fuß oder mit Packpferden fortbewegen kann. Daneben gelten auch sehr strenge Naturschutzrichtlinien. Wilderness Areas sind daher ideal für backpacking trips, also mehrtägige Trekkingtouren mit Zeltübernachtung.

Backpacking in der De-Na-Zin Wilderness
Backpacking in der De-Na-Zin Wilderness

Die einzelnen Wilderness Areas können dabei einen sehr unterschiedlichen Charakter haben. Manche sind Hochgebirgsregionen wie die Lizard Head Wilderness in Colorado, bei anderen handelt es sich um einsam gelegene Wüstengebiete, Canyons oder Badlands. Wer hier mehrere Tage zu Fuß unterwegs ist, sollte seinen Trip sorgfältig vorbereiten, denn man ist im Notfall völlig auf sich allein gestellt. Handys funktionieren hier draußen nicht mehr. Was bei solchen Wanderungen in abgelegenen Wildnisgebieten noch zu beachten ist, findet ihr in meinem Artikel über Wildniswanderungen im Südwesten der USA.

Backcountry Camping in Nationalparks

Wem es beim Wild Campen hauptsächlich darum geht, weit weg von den Touristenmassen in der Wildnis zu übernachten, kann innerhalb der Nationalparks in sogenannten Backcountry Areas zelten. Bei diesen Backcountry Areas handelt es sich um nur selten besuchte, einsame Wildnisgebiete, die ebenso wie die Wilderness Areas des BLM nur zu Fuß betreten werden dürfen. Anders als dort benötigt man für das Backcountry Camping in den Nationalparks allerdings ein Backcountry Permit. Man muss den Trip also im Voraus planen und sich registrieren. In einigen stärker frequentierten Parks wie dem Yosemite Nationalpark in Kalifornien ist die Anzahl ausgegebener Permits auch limitiert. Hier muss man also entsprechend früh einen Permitantrag stellen. Viele der Parks haben speziell eingerichtete Backcountry Campsites, die man während der Tour nutzen muss. In anderen Parks kann man sich seinen Schlafplatz innerhalb gewisser Vorgaben selbst suchen. Achtung: außerhalb dieser Backcountry Gebiete ist wildes Campen in den Nationalparks nicht erlaubt!

Wild Zelten im Jeffrey Pine Forest

Leave no trace – Richtiges Verhalten beim Wild Campen

Egal, ob man in einem National Forest, auf BLM-Gebiet oder in einer Wilderness übernachtet, gilt beim Wild Campen in den USA die Leave no trace Richtlinie. Dies bedeutet ganz einfach ausgedrückt, dass man sich beim Campen möglichst unauffällig verhalten und keine Spuren hinterlassen sollte. Ein anderer Spruch, der das Gleiche ausdrückt, lautet

Take nothing but pictures, leave nothing but footprints.

Hier die wichtigsten Grundregeln zum Wild Campen in den USA

  • bei der Wahl des Übernachtungsorts möglichst bereits vorhandene Plätze und Feuerstellen benutzen
  • Der Schlafplatz sollte mindestens 30-50 Meter von allen Wasserstellen entfernt sein
  • Zum Waschen keine normale Seife oder Waschmittel benutzen, sondern – falls überhaupt – biologisch abbaubare Seife
  • Alle Feuerwarnungen und -verbote unbedingt beachten
  • In Kalifornien benötigt man für offene Feuer auf staatlichem Gebiet (National Forests, BLM Gebiet und Wilderness Areas) ein Fire Permit
  • Nur abgestorbene Äste und Zweige als Brennholz sammeln
  • Feuer nie unbeaufsichtigt lassen und vor dem Verlassen des Camps vollständig löschen
  • Wasser aus natürlichen Quellen wie Bächen und Seen ist nicht keimfrei und muss entweder abgekocht oder gefiltert/entkeimt werden
  • Da es vor Ort keine Toiletten gibt, muss menschlicher Kot in der Erde vergraben werden, und zwar mindestens 100 Meter von natürlichen Wasserstellen entfernt
  • Generell gilt bei Abfall – Pack it in, pack it out – dies gilt auch für benutzte Taschentücher und Toilettenpapier und für Bioabfälle wie Äpfel oder Bananenschalen
  • Keine lauten Geräusche
  • Wildtiere niemals füttern, nur aus der Entfernung beobachten und nicht stören
  • Rücksicht gegenüber anderen Besuchern

Boondocking – Wild Campen mit Trailer und Wohnmobil

Auch wenn man mit einem Trailer (Wohnanhänger) oder Wohnmobil im Prinzip auch in allen National Forest und BLM Gebieten wild übernachten kann, sind gerade für größere Wohnmobile viele schöne Orte aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse nicht erreichbar. Hier gibt es noch die Alternative, auf Rastplätzen, an Truckstops oder auf öffentlichen Parkplätzen, z.B. vor Supermärkten wie Walmart zu übernachten. Nachteil ist natürlich, dass das Naturerlebnis fehlt und es unter Umständen die ganze Nacht recht laut sein kann. An vielen öffentlichen Parkplätzen und an besonders stark frequentierten Orten wie der Pazifikküste Kaliforniens oder Oregons ist das Overnight Parking auch durch Schilder explizit verboten. Wer tiefer in das Thema Reisen mit dem Wohnmobil einsteigen möchte, findet im Forum https://www.womo-abenteuer.de/ alle notwendigen Infos und viele gute Praxistipps.

Weitere Infos und Internetseiten zum Thema Wild Campen

Hier noch zwei sehr heilfreiche Internetseiten zu kostenlosen Campmöglichkeiten in den USA mit Kartenübersicht, Beschreibung der einzelnen Plätze und Userbewertungen

https://freecampsites.net/
https://www.campendium.com/

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