Im Gegensatz zu den berühmten und dadurch auch von vielen Touristen besuchten Nationalparks Costa Ricas wie dem Vulkan Poas oder dem Vulkan Irazu fristet der Tapanti Nationalpark südöstlich von Orosi nahezu ein Schattendasein. Besucher trifft man hier nur selten. Zum Teil liegt das daran, dass der Tapanti Nationalpark keine spektakulären Natursensationen zu bieten hat. Zum Teil liegt es aber auch an der extrem schlechten Stein- und Schlaglochpiste, die den einzigen Zugang zum Park bildet.

Aber genau diese Abgeschiedenheit und Unberührtheit macht auch den Zauber dieses Naturreservats aus. Wer im Tapanti Nationalpark wandert, erlebt einen großflächigen und noch weitgehend intakten, ursprünglichen Regenwald mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit, wunderbar klarer Luft und einer äußerst artenreichen Pflanzenvielfalt. Mit etwas Glück kann man neben Vögeln, Brüll- und Kapuzineraffen auch eine der scheuen und inzwischen schon selten gewordenen Wildtierarten des Parks beobachten. Dazu gehören Tapir, Ozelot, Paca, Aguti und Jaguarundi.

Rio Grande de Orosi im Tapanti Nationalpark
Rio Grande de Orosi im Tapanti Nationalpark

Wandern im Tapanti Nationalpark

Von der Orosi Lodge fahre ich am frühen Morgen nach Süden Richtung Tapanti Nationalpark. Am Wegesrand blühen gerade die über und über mit orangefarbenen Blüten bedeckten Oros, eine sehr hübsch anzusehende Baumart, die man in Costa Rica häufig findet. Weiter geht es über eine etwas waklige und mit Holzplanken bedeckte Brücke und dann an einer Farm entlang bis zum kleinen Visitor Center am Eingang des Parks. Hier bin ich heute morgen der einzige Besucher. Kein anderes Fahrzeug weit und breit. Wie schön.

Nachdem ich den Eintritt bezahlt habe, fahre ich langsam die ungeteerte Parkstraße bergauf. Sie ist wie viele Straßen Costa Ricas in extrem schlechtem Zustand, übersät mit vielen Steinen, Schotter, tiefen Schlaglöchern. Aber ich habe ja Zeit. Es eilt nicht.

Der erste Weg – Sendero la Oropendola – beginnt zwei Kilometer vom Parkeingang entfernt und führt durch dichten Regenwald hinunter zum Fluss. Der Weg ist feucht, die Blätter glänzen nass. Wie schön es hier ist. Und wie gut und frisch die Luft!

Sendero Oropendola im Tapanti Nationalpark
Sendero Oropendola im Tapanti Nationalpark

Plötzlich entdecke ich über mir in den Bäumen zwei Brüllaffen, die sich äußerst flink und behende durch die Lüfte schwingen. Zu schnell und zu hoch oben, um gute Fotos machen zu können. Aber ein schönes Erlebnis, das mich freut. Unten am Fluss angekommen genieße ich dann die wunderschöne Natur. Das Wasser ist glasklar, türkisfarben und fast durchsichtig, die Luft erfrischend, klar und rein. So schön kann die Welt sein, wenn man sie in Ruhe lässt.

Rio Grande de Orosi im Tapanti Nationalpark
Rio Grande de Orosi im Tapanti Nationalpark

Einen Kilometer weiter beginnt dann der zweite Weg hinunter zum Fluss, der Sendero la Pava – Catarata. Hier soll ein Wasserfall sein, aber im Verlauf des Weges zeigt sich, dass sich dieser weit weg am gegenüber liegenden Berghang befindet. Trotzdem ist der Weg sehr schön zu gehen, sehr abwechslungsreich, über Stock und Stein bergab, dann über zwei mit Lianen überwucherte Hängebrücken hinunter zum Fluss. Hier gehe ich über die feuchten, glitschigen Stein am Ufer entlang nach links, um einen besseren Blick auf die Wasserfälle zu erhaschen. Aber diese verschwinden schließlich ganz aus dem Blick. Zurück geht es den steilen Weg wieder bergauf. Die Sonne brennt jetzt heiß vom Himmel, es ist schwül und feucht.

Sendero La Pava - Catarata
Sendero La Pava – Catarata

Danach beschließe ich, noch den letzten Kilometer hoch zum Mirador zu fahren. Vielleicht gibt es dort noch etwas Interessantes zu sehen. Am Parkplatz angelangt, sehe ich ein paar Meter entfernt bei der Rasthütte einen Nasenbär, auch Coatimundi oder White Nose Coati genannt. Scheu scheint er nicht zu sein, denn als ich aus dem Wagen steige, lässt er sich nicht stören und schnüffelt weiter am Boden herum. Vermutlich ist er an Besucher gewöhnt.

In wenigen Schritten bin ich oben am Aussichtspunkt, von dem sich nochmals ein schöner Blick auf die weit entfernten Wasserfälle bietet. Als ich mich gerade umdrehen will, um wieder nach unten zu gehen, höre ich plötzlich vor mir ein Rascheln. Ah, mein Freund, der Nasenbär ist wieder da. Er ist mir also vom Parkplatz den ganzen Weg nach hier oben durch das Gestrüpp gefolgt und schaut mich jetzt mit großen Augen erwartungsvoll an. Eigentlich bin ich ja dagegen, Wildtiere zu füttern, aber wer kann so einem treuherzigen Blick schon widerstehen? Nachdem wir beide wieder unten sind, hole ich einen Apfel aus dem Auto, teile ihn in zwei Hälften und dann sitzen wir beide friedlich nebeneinander und genießen gemeinsam die leckere Frucht und den herrlichen Tag. Wie heißt es so schön: geteilte Freude ist doppelte Freude. Ich glaube, mein neuer Freund sieht das genau so.

Coatimundi im Tapanti Nationalpark
Coatimundi im Tapanti Nationalpark

Infos zum Tapanti Nationalpark

Anfahrt zum Tapanti Nationalpark
Von Orosi fährt man auf der geteerten Route 408 knapp 10 Kilometer nach Südosten bis zum Visitor Center am Eingang des Tapanti Nationalparks. Unterwegs ist eine Stahlbrücke mit Holzplanken zu überqueren. Hinter dem Parkeingang ist die Straße ungeteert und in sehr schlechtem Zustand, so dass man für die Fahrt durch den Park entsprechend Zeit einplanen sollte. Empfehlenswert ist ein Geländewagen mit guter Bodenfreiheit.

Wanderungen im Tapanti Nationalpark
Im Tapanti Nationalpark gibt es mehrere schöne Wanderwege. Besonders lohnend sind der Sendero la Oropendola und der Sendero la Pava – Catarata. Als erstes erreicht man auf der linken Straßenseite den Beginn des Sendero Arboles Caidos. Dieser 2 Kilometer lange Nature Trail führt im großen Bogen wieder zurück zur Straße, allerdings etwas oberhalb des Ausgangspunkts, so dass man auf der Straße wieder zurück laufen muss. Danach folgt der 1,5 Kilometer lange Sendero la Oropendola, der von einer kleinen Parkbucht auf der rechten Straßenseite durch schönen Regenwald hinunter zum Rio Grande de Orosi führt. Baden ist im Fluss allerdings verboten! Der 1,2 Kilometer lange Sendero la Pava – Catarata führt ebenfalls hinunter zum Fluss und zu einem Aussichtspunkt auf den weit entfernten Wasserfall auf der gegenüber liegenden Talseite. Am Ende der Straße kann man vom Parkplatz mit Rasthütte über Stufen hinaufsteigen zum Mirador (Aussichtspunkt) mit kleiner Hütte und Blick auf den entfernten Wasserfall.

Öffnungszeit und Eintritt: der Tapanti Nationalpark ist täglich von 8-16 Uhr geöffnet. Eintritt 10 Dollar.

Übernachtungstipp
Orosi Lodge im kleinen Ort Orosi, 10 Kilometer nordwestlich des Tapanti Nationalparks. Die kleine familiengeführte Lodge hat sehr schön eingerichete Zimmer, verteilt auf zwei Stockwerke im mit Pflanzen bewachsenen Innenhof. Sehr freundliche Besitzer und guter Service. Morgens gibt es ein hervorragendes Frühstück mit Kaffee, frischen Baguettes oder Croissants mit Butter und Marmelade und ein Glas Naturjoghurt mit frischen Früchten.

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