Irgendwann muss ich das auch mal machen – das ist mein erster Gedanke, als ich vor einigen Jahren kurz vor Ouray zusehe, wie ein paar Jeeps auf einer steilen Schotterpiste in Richtung der Berge starten. Das Ganze sieht nach einem aufregenden Abenteuer aus und nach ersten Recherchen im Internet ist mir schnell klar, dass dies der Alpine Loop sein muss – eine über 100 Kilometer lange ungeteerte und nicht ganz ungefährliche Gebirgsstrecke über zwei knapp 4.000 Meter hohe Gebirgspässe in den Rocky Mountains und einer der schönsten Jeeptrails Colorados. Damit ist der Entschluss schon gefasst. Als ich für dieses Jahr eine Reise durch Utah und Colorado plane, steht der Alpine Loop mit auf der Liste. Ein absolutes Highlight und ein Erlebnis, auf das ich mich bereits im Vorfeld unglaublich freue.

Alpine Loop Jeeptrail
Der türkisblaue Lake Fork am Beginn des Alpine Loop

Als ich dann am 1. September – es ist gerade Labour Day Wochenende – frühmorgens von Lake City aus starte, sind die Wetteraussichten leider alles andere als freundlich. Vor mir auf den Berggipfeln hat es über Nacht geschneit und hinter mir ziehen sich am Himmel bereits pechschwarze Wolken zusammen. Nach den ersten paar Meilen folgt plötzlich ein gewaltiger Donnerschlag, so wie man es nur aus den Bergen kennt, so dass ich vor Schreck richtig zusammenfahre. Na, das fängt ja gut an!

Alpine Loop American Basin
Schneebedeckte Berggipfel im American Basin

Eigentlich hatte ich vorgehabt, gleich früh morgens einen Abstecher ins American Basin zu machen und dort zum Sloan Lake zu wandern, aber angesichts der bedrohlichen Wetterlage beschließe ich, das lieber auf ein andermal zu verschieben und weiter zu fahren.

Und siehe da. Weiter geradeaus – also in der Richtung, in der ich fahren will, scheint der Himmel aufzuklaren. Vielleicht habe ich ja Glück und das Gewitter bleibt hinter mir. Was es schließlich und glücklicherweise auch tut.

Dafür muss ich mich jetzt auf die Piste konzentrieren, denn die ist mittlerweile nur noch einspurig und sehr schmal, dazu noch übersät mit Steinen, Schotter und Schlaglöchern. In Kurven klettert der Jeeptrail jetzt hinauf zum Cinnamon Pass, dem ersten der beiden Gebirgspässe auf 3.835 Metern Höhe. Dort bewundere ich kurz die Aussicht, bevor es in steilen Spitzkehren schon wieder bergab geht – hinunter nach Animas Forks, einer der besterhaltenen Ghost Towns in Colorado.

Alpine Loop Dirt Bikes
Dirt Biker oberhalb von Animas Forks

Das ehemalige Mining Camp, auf 3.400 Metern Höhe in den Bergen nordöstlich von Silverton gelegen, entstand im Jahr 1873, als überall in den Rocky Mountains die Jagd nach Gold und Silber begann. Claims und Bergbaucamps schossen wie Pilze aus dem Boden und so kam es, dass auch Animas Forks quasi über Nacht zu einer boomenden Bergbausiedlung wurde. Allerdings mussten die Einwohner jedes Jahr mit Beginn der Winterstürme ins tiefer gelegene Silverton ziehen, da der Ort selbst in bis zu 8 Meter hohen Schneemassen versank.

Heute sind von den einst über 30 Holzgebäuden (darunter ein Hotel, mehrere Saloons, ein Laden, ein Post Office und ein Gefängnis) noch neun erhalten, in die man als neugieriger Besucher auch hinein gehen kann. Was mich bei einem Rundgang durch den Ort jedoch am meisten fasziniert, sind die Überreste der Columbus Mine direkt oberhalb der Stadt.

Alpine Loop Animas Fork
Überreste der ehemaligen Columbus Mine oberhalb von Animas Fork

Nachdem ich mir alles ausgiebig angeschaut habe, verlasse ich Animas Forks wieder. Kurze Zeit später bin ich bereits oberhalb der Baumgrenze. Ab jetzt wird die Strecke deutlich einsamer und rauer. Zum Glück reißt jetzt auch die Wolkendecke etwas auf und die Sonne kommt durch. Mit dem blauen Himmel über mir kann ich das grandiose Bergpanorama, das sich mir nun bietet, auch richtig in vollen Zügen genießen.

Wow – was für eine herrliche Hochgebirgslandschaft das hier oben ist. Und was für eine klare Luft!

Alpine Loop 4WD Road

Alpine Loop Colorado

Ein paar Meilen später taucht vor mir eine Abzweigung auf. Die Piste links führt hinunter nach Ouray, einem weiteren möglichen Startpunkt des Alpine Loop auf der Westseite der Berge, geradeaus geht es auf einer nun immer schmaler werdender Piste in Richtung Engineer Pass.

An der Abzweigung zum Engineer Pass

Vor diesen Switchbacks hatte mich mein Jeepvermieter bereits gewarnt. Was die Sache allerdings noch schwieriger macht, ist die Tatsache, dass heute durch den Feiertag selbst hier oben in den Bergen ziemlich viel los ist und gerade jetzt am Fuß der Spitzkehren ein Fahrzeug nach dem anderen von oben entgegenkommt. Ausweichen geht auf dem schmalen Weg so gut wie nicht, also bleibt nur abwarten, bis endlich alle unten sind, bevor ich mich mit ziemlichem Herzklopfen selbst an die schwierigen Steilkurven wage. Aber irgendwann habe ich es dann geschafft und die nervenaufreibenden Switchbacks liegen hinter mir.

Jetzt bin ich ganz oben – oder zumindest fast ganz oben. Denn links liegt bereits der Odom Point, ein Aussichtspunkt mit tollem Blick nach Westen und Norden Richtung Engineer Pass und Darlay Mountain. Allerdings verlasse ich meinen Jeep nur kurz für ein paar Fotos, denn hier oben bläst jetzt ein stürmischer, kalter Wind – Vorbote einer Schlechtwetterfront, deren dunkle Wolken von Westen kommend bereits drohend den Himmel verdunkeln.

Alpine Loop Darlay Mountain
Der Darlay Mountain westlich des Engineer Pass
Alpine Loop Odom Point
Von Westen nähert sich schon die Schlechtwetterfront

Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis die dunklen Wolken direkt über mir sind und es anfängt, zu hageln. Große Eiskörner, die gegen die Fensterscheibe prasseln und dazu ein ebenso eisiger Wind, der die Außentemperatur im Handumdrehen auf den Gefrierpunkt bringt. Bin ich froh, jetzt nicht in einem der offenen ATVs zu sitzen, mit dem viele hier heute unterwegs sind.

Jeeps on Alpine Loop
Plötzlich fängt es an, zu hageln

Zum Glück ist es jetzt nur noch ein Katzensprung bis zum Engineer Pass, dem höchsten Punkt der Tour auf einer Höhe von 3.901 Metern. Das Schlimmste – nämlich die Switchbacks – liegen jetzt schon weit hinter mir.

Alpine Loop Engineer Pass
Am 3.901 Meter hohen Engineer Pass

Hinter dem Engineer Pass wird jetzt auch die Piste breiter und angenehmer zu fahren, so dass ich innerlich wieder etwas entspannen kann. Während ich in Kurven bergab fahre und der Hagel immer noch in Strömen herunter prasselt, taucht plötzlich am Straßenrand ein Pärchen auf, beide völlig durchnässt. Kurzentschlossen halte ich an und lasse sie einsteigen. Dann erzählen sie mir, dass sie mit einem Mercedes S-Klasse die Schotterpiste hochgefahren sind, so weit es ging. Von dort wollten sie dann zu einem der Berggipfel wandern. Bis sie plötzlich von dem Hagelsturm überrascht wurden und umkehren mussten. Nun ja, alles gut. Ein paar Meilen weiter lasse ich sie bei ihrem Fahrzeug wieder aussteigen.

Kurz danach hört es auch auf, zu regnen, so dass ich mir auf dem Weg zurück jetzt Zeit lassen kann. Zeit, um schöne Fotos von der Laubfärbung der Espen zu machen und natürlich auch Zeit für eine kleine Pause. Außerdem will ich mir noch ein paar interessante Orte am Wegesrand anschauen. Wie zum Beispiel Capitol City, eine Bergbausiedlung aus dem Jahr 1877 mit einst 400 Einwohnern, die Ambitionen hatte, Hauptstadt von Colorado zu werden. Heute erinnert allerdings nur noch eine Blockhütte an vergangene Zeiten.

Alpine Loop - Capitol City
Heute erinnert nur noch diese Blockhütte an den Ort Capitol City

Wesentlich besser erhalten ist dagegen die Ute Ulay Mine bei Henson, einst eine der bedeutendsten Erzgruben der Region. Hier wurde zwischen 1874 und 1903 Silber und Blei im Wert von über 12 Millionen Dollar zu Tage gefördert, was heute einem Wert von 280 Millionen entspricht. Dabei steht vieles hier noch genau so an Ort und Stelle wie vor 100 Jahren – vom ehemaligen Damm am Henson Creek, der für die Stromgewinnung errichtet wurde und der darüber liegenden Erzmühle bis zu alten Förderschächten, Wassertanks, Scheunen und Maschinen – ein überaus interessanter Einblick in die wechselvolle Bergbaugeschichte der Region.

Alpine Loop - Ute Ulay Mine
Die Ute Ulay Mine – eine der am besten erhaltenen Ghost Towns in Colorado

Von hier geht es dann die letzten 4 Meilen durch eine Art Klamm am Ufer des Henson Creek entlang zurück nach Lake City, wo meine abwechslungsreiche, spannende und abenteuerliche Rundfahrt auf dem Alpine Loop durch die Gebirgswelt der Rocky Mountains am späten Nachmittag endet.

Zeit für ein kühles Bier und ein gutes Steak! 🙂

Die Schlucht des Henson Creek westlich von Lake City

Infos zum Alpine Loop

Lage
Der Alpine Loop ist eine Gebirgsstrecke in den San Juan Mountains im südwestlichen Colorado zwischen den Städten Ouray, Silverton und Lake City

Länge und Straßenzustand
65 Meilen langer, ungeteerter und oft nur einspuriger Jeeptrail mit einigen schwierigen Switchbacks und exponierten Stellen. Überquerung zweier Gebirgspässe (Cinnamon Pass 3.835 Meter und Engineer Pass 3.901 Meter). Einige Teile der Strecke sind auch mit 2WD Fahrzeugen befahrbar, wer jedoch den ganzen Alpine Loop fahren möchte, braucht ein Fahrzeug mit guter Bodenfreiheit und Allrad, insbesondere für den Streckenabschnitt zwischen Animas Forks und Engineer Pass. Für ATVs gibt es spezielle Staging Areas, da sie innerhalb der Städte und auf den Highways nicht fahren dürfen.

Alpine Loop Saison
Der Alpine Loop ist in der Regel von Ende Mai bis Oktober befahrbar (schneefrei von Juni bis Ende September), im Winter geschlossen. Ende Juli bis Mitte August blühen die Wildblumen.

Alpine Loop Highlights
American Basin (Trailhead für die Wanderung zum Sloan Lake und Handies Peak), Cinnamon Pass, Animas Forks Ghost Town, Engineer Pass, Whitmore Falls, Capitol City, Ute Ulay Mine

Jeepvermietung
in Lake City, Ouray und Silverton (Achtung: einige Vermieter verlangen den internationalen Führerschein, unbedingt darauf achten, dass man zusätzlich eine CDW-Versicherung abschließen kann)

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