Costa Rica,  Mittelamerika/Karibik

Naturparadies Naujaca Wasserfall

Nach einem liebevoll zubereiteten Frühstück mit Gallo Pinto (schwarzen Bohnen), Rührei, Toast, frischen Früchten und Platanas (Kochbananen) verlasse ich meine traumhaft gelegene Unterkunft im Portasol Rainforest und fahre auf der Carreta Pacifica an der Pazifikküste entlang nach Süden. Bei Dominical biege ich ab in Richtung der Berge und stehe dann kurz vor 9 Uhr oben am Tickethäuschen, an dem man sich für die Reittouren zu den Naujaca Falls anmelden und den Eintritt bezahlen muss. Insgeheim hatte ich ja gehofft, noch spontan an einer Tour teilnehmen zu können, aber die Plätze sind alle ausgebucht und die Reiter schon unterwegs. Macht nichts. Dann werde ich eben zu den Wasserfällen wandern. Es ist ja noch früh am Tag und die Luft herrlich kühl und frisch.

Vom Tickethäuschen führt die ungeteerte Straße halsbrecherisch steil bergab zu den Parkplätzen unten im Canyon. Hier lasse ich mein Auto stehen, packe meinen kleinen Daypack und dann geht es los.

Der Weg selbst ist recht abwechslungsreich. Man wandert die ganze Zeit leicht bergauf, umgeben von üppigem grünem Regenwald. Etwa auf halber Strecke erreiche ich die kleine Lodge der Familie Don Lulo, in deren Privatbesitz sich die Naujaca Wasserfälle befinden. Hier treffe ich auf die Gruppe mit den Reitern, die schon eine Stunde früher aufgebrochen sind und gerade ihre Früchstückspause machen.

Auf dem Weg zu den Naujaca Wasserfällen

Glück gehabt, denke ich, denn wenn ich mich jetzt etwas beeile, bin ich noch vor der Gruppe dort und kann die Wasserfälle zumindest eine Weile ungestört genießen. Der Weg wird nun zunehmend steiler und anstrengender, aber dann bin ich auch schon da. Ein erster Blick von oben auf die wunderschönen Wasserfälle, dann geht es auf einem schmalen Wurzelpfad steil bergab und schon liegen sie vor mir. Die mehrstufigen Kaskaden der Naujaca Wasserfälle, die sich umrahmt vom üppigen Grün des Regenwaldes über dunkel glänzende Felsterrassen in einen kleinen See ergießen.

Was für ein einmalig schönes Naturparadies!

Naujaca Falls
Die Naujaca Wasserfälle – ein Naturparadies mitten im Regenwald

Auf den Steinen rund ums Ufer sitzen schon ein paar Leute und das klare Wasser lädt ein zum Schwimmen. Mehrmals schwimme ich hinüber zu den Wasserfällen und genieße die frische Brise und den feinen Sprühnebel, der herüber weht. Wie schön das Leben doch sein kann. Dann traue ich mich auch ein paar Kopfsprünge von den ufernahen Felsen in den klaren Pool.

Jetzt ist auch die Gruppe der Reiter angekommen und kurz danach klettert einer der Guides mit einem Seil an den Wasserfällen nach oben. Gespannt schaue ich zu, was weiter passiert.

Er befestigt das Seil an zwei Stellen, etwas weiter unten und oben auf der ersten Plattform. Jetzt kann jeder, der Lust hat, am Seil emporklettern und von der Plattform – geschätzt sind das etwa 7 bis 8 Meter – am Wasserfall nach unten springen.

Naujaca Falls

Eine Weile schaue ich zu, dann packt mich auch die Lust. Ich schwimme hinüber zu den Wasserfällen und klettere an den nassen Felsen nach oben. Dabei muss man sich wirklich gut festhalten und aufpassen, wo man die Füße hinsetzt, denn von oben prasselt unaufhörlich das Wasser und die bemoosten Felsen sind rutschig und glatt.

Oben angekommen, hilft mir einer der Guides mit der Hand ein Stück weiter nach links zu kommen, damit ich das zweite Seil oben fassen kann. Und dann stehe ich auf einmal direkt vorn an der Kante und schaue hinunter in die Tiefe. Das kostet schon Mut. Aber dann denke ich, dass die anderen das gerade auch gemacht haben. Wird schon gehen. Und los!

Plötzlich befinde ich mich unter Wasser und habe ein Problem. Ich komme nicht nach oben, weil mich die gewaltige Wucht des Wasserfalls immer wieder nach unten drückt. Erst als ich etwas nach links ausweiche, gelingt es mir, an die Wasseroberfläche zu kommen.

Nach ein paar Japsern schwimme ich zurück ans Ufer, ziemlich erleichtert, dass es nochmal gut gegangen ist und gleichzeitg glücklich und stolz, dass ich mich das getraut habe.

Dafür zeigen jetzt die Jungens, die hier in der Umgebung wohnen, was sie können. Zuerst springen einige von ihnen mit ziemlich verwegenen Saltos von der Plattform, auf der ich gerade eben noch gestanden bin, dann klettern drei von ihnen am linken Wasserfall noch weiter nach oben. Und das Ganze ungesichert bis auf fast 10 Meter Höhe. Einer von ihnen sogar noch ein paar Meter weiter. Mit eleganten Kopfsprüngen und anderen Kunststücken landen sie zielsicher und gekonnt unten im Wasser. Cliff Diving vom Feinsten!

Naujaca Falls Cliff Diving
Naujaca Falls Cliff Diving
Naujaca Falls Cliff Diving
Ein Sprung aus fast 12 Metern Höhe.

Nach diesem tollen Schauspiel wandere ich von den unteren Fällen noch auf einem schmalen Pfad hinauf zu den oberen Wasserfällen, wo ich fast ganz allein bin. Über große Felsblöcke suche ich mir einen Weg hinüber zu den Wasserfällen und genieße die Stille und die Einsamkeit.

Dann treffe ich noch eine nette Schweizerin, die 6 Jahre lang in Costa Rica gelebt hat und als Tourguide arbeitet. Wir kommen ins Gespräch und haben uns viel zu erzählen. Eine richtig sympathische Frau, die hier ist, um ihre Freunde zu besuchen. Auch sie liebt diesen wunderschönen Ort und kommt immer wieder.

Naujaca Falls - Upper Falls
Die oberen Fälle der Naujaca Falls

Danach wird es langsam Zeit, den Rückweg anzutreten. Da die Sonne jetzt mit voller Kraft vom blauen Himmel brennt, ist es schon ziemlich heiß. Deswegen tauche ich ein letztes Mal mitsamt meinen Kleidern und Haaren im Wasser unter und laufe dann triefend nass den Weg zurück. Das kühlt und erfrischt, so dass man die Hitze nicht so sehr spürt. Und nach einer dreiviertel Stunde bin ich schon wieder komplett trocken.

Etwa einen Kilometer vor dem Parkplatz höre ich plötzlich über mir im Wald ein lautes Kreischen. Dann sehe ich eine ganze Horde Kapuzineräffchen, die gekonnt von Ast zu Ast, von Zweig zu Zweig springen. Nur selten kann ich einen von ihnen mit der Kamera erwischen, so schnell und behende sind sie.

Kapuzineräffchen
Unterwegs treffe ich eine Gruppe Kapuzineräffchen

Mit einem Lächeln kehre ich zu meinem Auto zurück und freue mich über diesen wunderschönen Tag in einem der letzten Naturparadiese dieser Erde. Im Nachhinein betrachtet eines der schönsten Erlebnisse meiner gesamten Costa Rica Reise!

Infos zum Naujaca Wasserfall

Lage: der Naujaca Wasserfall liegt an der Pazifikküste Costa Ricas in den Bergen nordwestlich von Dominical

Zufahrt zum Naujaca Wasserfall

von Norden kommend fährt man auf der Carretera Pacifica (34) Richtung Dominical und biegt dann kurz vor der Brücke über den Rio Barú ab auf die Route 234 Richtung San Ysidro. Man folgt dieser Straße 9,2 Kilometer bis zum Officegebäude des Naujaca Wasserfalls, wo man sich anmelden und den Eintritt bezahlen muss (für Wanderungen 8.- US Dollar pro Person).

Von dort fährt man dann noch ein kurzes Stück weiter und folgt dann dem schmalen, ungeteerten Weg steil bergab bis zum großen Parkplatz am Beginn des Wanderwegs. Achtung: diese steile Zufahrt ist nur mit einem Geländewagen zu empfehlen!

Wanderung zum Naujaca Wasserfall

Der 4 Kilometer lange und recht breite Wanderweg führt mit stetiger leichter Steigung durch den Regenwald bergauf und dann auf einem schmalen Pfad ein kurzes Stück steil bergab zum großen Pool unterhalb des Naujaca Wasserfalls. Rechts führt ein schmaler Pfad hoch zu den Upper Falls. Während der Wanderung kommt man an der kleinen Urwald Lodge der Familie Don Lulo vorbei, wo man etwas essen und trinken kann. Der Weg wird auch von den Reitgruppen benutzt und kann daher stellenweise etwas matschig sein.

Reittour zum Naujaca Wasserfall

Eine Alternative zur Wanderung ist eine Reittour zum Naujaca Wasserfall, für die man sich allerdings rechtzeitig vorher anmelden muss. Die Tour beginnt meist morgens um 8 Uhr und dauert ca. 6-7 Stunden. Auf dem Hinweg wird in der Lodge der Familie Don Lulo ein Frühstück und auf dem Rückweg ein Mittagessen serviert. Die Kosten für die Reittour liegen bei etwa 85.- US Dollar pro Person.